Eine erlebnisreiche zweite Maiwoche durften 12 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 in Polen verbringen, begleitet von den Lehrkräften Christa Böhler und Claudia Stein. Damit schrieb die reiselustige Gruppe den inzwischen seit mehr als zwanzig Jahren bestehenden Schüleraustausch zwischen dem Marion-Dönhoff-Gymnasium Lahnstein und der Marion-Dönhoff-Schule Mikołajki glücklich fort.
Wie immer reiste man mit dem Zug an, wechselte etliche Male den Anbieter und erreichte nach einer Wegstrecke von 1283 Kilometern 21 Stunden später den Ort der Bestimmung. Reibungslos verlief die Hinfahrt, die Rückfahrt auch. Eigentlich. Nur fand sie überraschenderweise einen Tag früher als geplant statt, was sich im Nachgang wiederum als völlig überflüssig erwies: Der angekündigte Bahnstreik fand nicht statt.
Wie immer war die Gastfreundschaft auf polnischer Seite beeindruckend. In ihre legendäre Geschichte wird mit diesem Besuch eingehen, dass zwei der deutschen Schüler von ihren Gastfamilien mehr Proviant für einen Ausflug eingepackt bekamen, als die beiden Knaben zu tragen vermochten. An anderer Stelle war da bereits eine Gastgroßmutter um fünf Uhr in der Früh aufgestanden, eigens für das Kind aus Deutschland, um Pfannkuchen zu backen. Und ebenso herzlich gestaltete sich der Empfang beim Bürgermeister, der für alle seine Besucher ein kleines Willkommensgeschenk bereitgestellt hatte.
Wie immer war das Besichtigungsprogramm umfangreich. Historisch weltbewegende Orte wurden angefahren, beispielsweise der Schauplatz des Attentats auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944, die sogenannte Wolfsschanze, eines der Führerhauptquartiere im Zweiten Weltkrieg, heute eine Ruine, oder das Jüdische Museum in Warschau auf dem ehemaligen Gelände des Warschauer Ghettos. Emotional entspannter ging es während einer naturkundlichen Schifffahrt auf dem Spirdingsee zu, einem der größten Gewässer der masurischen Seenplatte, oder beim Paddeln auf dem kristallklaren Fluss und Kajak-Paradies Krutynia.
Überhaupt, Paddeln im deutsch-polnisch besetzten Zweierboot. Spätestens mit Wiedererlangen festen Bodens unter den Füßen gab es keinerlei Berührungsängste mehr zwischen den Partnern. Die Projektarbeit, die in diesem Jahr dem Themenfeld Antisemitismus gewidmet war, ging erstaunlich leicht von der Hand. Nachdenklich stimmte dabei freilich der Eindruck, dass der Krieg in der Ukraine in der polnischen Bevölkerung anders und elementarer wahrgenommen wird als in Deutschland. Gerade die ältere Generation habe beim Einmarsch Russlands als Erstes die Ausweispapiere überprüft, um gegebenenfalls sofort fliehen zu können.
Wie dem auch sei, abends wurde getanzt, im Foyer der Schule, unter den Augen der Gräfin von Dönhoff, deren Büste dort freundlich dreinblickt. Zu erwähnen sei noch, dass am kommenden Morgen der Kleenex- und Tempoverbrauch hoch war. Do zobaczenia ponownie w Lahnstein.






