Während draußen kurz vor Beginn des Abendgebetes der Mönche die Mengen noch versuchten, Einlass in die übervolle Abteikirche des Klosters Maria zu erhalten, saßen insgesamt 24 Schülerinnen und Schüler aus den Stufen 11 und 12 des Marion-Dönhoff-Gymnasiums, begleitet durch die Geschichtslehrerin Alexandra Andernach, bereits seit zwei Stunden bequem und mit gutem Blick auf Altarraum und Kanzel in den ersten Sitzreihen der altehrwürdigen Klosterkirche. Es hatte sich hoher Besuch für diesen 4. März 2026 angekündigt: die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hielt im Rahmen der Vesper die Fastenpredigt, entsprechend groß war der Andrang.

Umrahmt von den lateinischen Gesängen und Gebeten der Benediktinermönche griff die Altkanzlerin in ihrer Predigt auf den Brief des Apostels Paulus an die Römer (Röm 12,1-2) zurück. Zunächst ging Angela Merkel dabei auf den zu Grunde liegenden Text und seine Entstehungssituation ein: das Leben des christlichen Missionars Paulus zur Zeit der ersten christlichen Urgemeinden und die Beschreibung der gesellschaftlichen Vorstellungen und Herausforderungen dieser Zeit anhand des Lebens in der antiken und durch einen Vulkanausbruch über Jahrhunderte konservierten Stadt Pompeji. Ausgehend von den Worten des Apostels Paulus schlug die ehemalige Kanzlerin schließlich den Bogen zur Gegenwart und bezog sich im Folgenden auf drei zentrale Herausforderungen der heutigen Zeit: die geopolitische Lage, die Bedeutung der sozialen Medien und der künstlichen Intelligenz und die Bewahrung der Schöpfung.

Die zentrale Frage ihrer Interpretation war dabei, was es in der heutigen Zeit bedeute, Christ zu sein und welche Bedeutung für sie dabei das Fasten habe. Die Altkanzlerin betonte, dass es eben nicht ausreiche, zu beten oder eine Kerze anzuzünden, sondern dass das Christsein eine lebenslange Aufgabe sei, die Einsatzbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein sowie ein aktives Handeln für den Nächsten, für die Gesellschaft, geleitet von den Grundsätzen der Mitmenschlichkeit, des Wahrens der Menschenwürde und des Schutzes der Schöpfung, erfordere. Neben der Verantwortung eines jeden Einzelnen für unser Gemeinwesen betonte sie u.a. auch die Verantwortung der Politikerinnen und Politiker, sich für die angesprochenen Werte stark zu machen.

Das Abendgebet endete mit einem anhaltenden Applaus der Anwesenden und auch bei den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern ließen sich durchweg positive Reaktionen beobachten. Der Besuch der Fastenpredigt Angela Merkels sei laut ihrer Meinung ein bewegendes und einmaliges Erlebnis gewesen, Angela Merkel live zu erleben, sei schließlich nicht jeden Tag möglich. Aber es meldeten sich auch weitere Stimmen, die insbesondere das Eingehen Merkels auf die aktuellen Themen wie Klimaschutz, Umgang mit KI und sozialen Medien sowie die Forderung, sich für das Gemeinwesen einzusetzen, als wichtig und betonungswert empfanden.

Ein kurzer Videobeitrag über die Fastenpredigt sowie eine Bewertung durch zwei unserer Schüler findet sich auf dem Youtube-Kanal des Domradios zu Köln: https://youtu.be/Qt-S0CKivs0?si=E8vKZuOr9jTCd7Jk