Eine kleine Odyssee erlebten 26 Schülerinnen und Schüler mit ihren Lateinlehrerinnen Mareike Franz und Christa Böhler am 06.07.2023 auf ihrem Weg nach Trier – und zurück.

Erwartungsvoll starteten die Sechst- und Siebtklässler in den Tag, der denjenigen zu Beginn des Schuljahres als Highlight in Aussicht gestellt worden war, die als Zweite Pflichtfremdsprache das Fach Latein gewählt hatten. Sie wurden in mehrfacher Hinsicht nicht enttäuscht.

So einfach, wie gedacht, gelangt keiner in die älteste Stadt Deutschlands, 16. v. Chr. gegründet. Doch ließ sich die Deutsche Bahn etwas einfallen: SEV – Schienenersatzverkehr lautete das magische Wort, so dass nach mehrmaligem Wechsel von Zug auf Bus, von Bus auf Zug der Trierer Hauptbahnhof tatsächlich erreicht werden konnte.

Von dort ist es in die Innenstadt bekanntlich ein Katzensprung. Und tatsächlich zeichnete sich in der heißen Sonne des Vormittags am Horizont bereits die Porta Nigra ab. Es folgte die fachkundliche Eroberung der ersten Sehenswürdigkeit am Platz, eine Stunde war für das am besten erhaltene römische Stadttor nördlich der Alpen angesetzt. Im Inneren des schwarzen Tors nach Überwindung von 171 Treppenstufen galt es, sich erst einmal in der wechselhaften Geschichte dieses 170 n. Chr. errichteten Bauwerks zurechtzufinden: In der Antike als Stadttor geplant und nie vollendet, war die Porta Nigra über Jahrhunderte hinweg ein reiner Prunkbau, bevor sie 1028 einem Mönch als Refugium diente und 1040 dank etlicher Anbauten zur Doppelkirche geweiht wurde. Schließlich war es Napoleon, der die Porta zurückbauen ließ, worauf man sie mit Türen versehen 1822 durch ihre Einweihung als Stadttor endlich ihrer eigentlichen Bestimmung zuführte. 1986 rückte sie in den Status „UNESCO Weltkulturerbe“ auf, 2023 wurde sie von Oberlahnsteiner GladiatorInnen erklommen. Letztere zeigten sich verblüfft angesichts des ständigen Wandels dieses Bauwerks und staunten nicht schlecht beim Ausblick aus den mit Reliefen verzierten Fenstern auf den belebten Hauptmarkt, welcher schon zu römischer Zeit als Marktplatz gedient hatte.

Ein Schlückchen Wasser und weiter ging die Reise durch den Palastgarten ins Landesmuseum mit seinen römischen Artefakten. Das Landesmuseum ist eine Attraktion, es wartet mit dem aus dem Lateinbuch bekannten Nachbau des antiken Trier auf. Seit Neustem zeigt es auch wieder den berühmten Goldschatz, der 1993 zufällig bei Bauarbeiten gefunden wurde: Die 2650 Goldmünzen aus dem Jahr 196 n. Chr. wären nämlich 2019 beinahe gestohlen worden. Seit September 2022 ist der Goldschatz wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Nächster Halt der Fußtruppe war das Amphitheater. Der Ort ist bei SchülerInnen sehr beliebt, da sie hier in der Arena und in den Katakomben ein großes Spektakel wie im alten Rom mit Brot und Spielen wittern. Doch lockte die nachmittägliche Gluthitze keine einzige Löwin hervor.

Vorbei an der Konstantinbasilika ging es somit zum letzten Stopp in den Trierer Dom.

Galt es nunmehr noch die Heimreise zu bewältigen. Sie vollzog sich wider Erwarten zügig und dauerte baustellenbedingt „nur“ zweieinhalb Stunden.

Zurückgekehrt in die Heimat waren besondere Vorkommnisse „ja“, Verluste „nein“ zu vermelden. Hart im Nehmen waren die alten Römer, und junge LateinerInnen stehen dem natürlich in Nichts nach. Valete!