Das erste Jahr G8GTS
Auf dem Weg zur Ganztagsschule
Seit Beginn dieses Schuljahres gehört unsere Schule zu den 15 Gymnasien "mit achtjährigem Bildungsweg zum Abitur im Rahmen einer Ganztagsschule" in Rheinland-Pfalz. Oder kürzer: Am Lahnsteiner Oberheckerweg hat das G8GTS-Zeitalter begonnen.
Natürlich betrifft das zunächst "nur" die 90 Schüler der fünften Klassen und ihre Lehrer - für alle anderen ist die auffälligste Veränderung vielleicht die, dass nun alles "von unten nach oben" gekehrt ist, denn die Orientierungsstufe ist aus Raumkonzeptgründen in den zweiten Stock gezogen und hat die Klassenstufen 9 und 10 von dort ins Erdgeschoss verdrängt. Nur so war es möglich, bei der massiven Raumnot zumindest am Nachmittag zwei zusätzliche Räume für geteilte Gruppen nutzen zu können. An jegliche andere räumliche Gestaltung, die eigentlich zu einem Ganztagsschulkonzept gehört, ist bis zum Ausbau des Schulgebäudes nicht zu denken.
Genau genommen hat auch für die Fünftklässler bisher nur GTS und nicht G8 begonnen: Lehrplan und Stundentafel der Orientierungsstufe sind im achtjährigen und neunjährigen Gymnasium gleich, die Ganztagsschule ein Angebot, das Eltern und Schüler frei wählen können. Im zurückliegenden Schuljahr hatten sich 42 von 90 Schülern für die Ganztagsschule angemeldet. Bei drei Klassen war es daher nicht möglich, reine Ganztagsklassen zu bilden. Jeweils ca. 20 Ganztagsschüler bilden daher zusammen mit etwa 10 Halbtagsschülern die Klassen 5a und 5b, während die Klasse 5c eine reine Halbtagsklasse ist.
Der Schulvormittag mit sechs Stunden Unterricht ist für alle Fünftklässler gleich organisiert. Im Ganztag schließt sich danach das Mittagessen an, das in der Übergangszeit bis zur Fertigstellung der Mensa im benachbarten Seniorenheim "Pro Seniore" eingenommen wird. Die Ganztagsschüler der Klassen 5a und 5b werden dabei von Lehrern begleitet, die sie auch aus dem Vormittagsunterricht kennen. Wer nicht im Seniorenheim essen will, wird auf dem Schulgelände betreut. An die Mittagspause schließt sich dann eine "Strukturierte Arbeitszeit" (SAZ) an, in der die Aufgaben aus dem Vormittagsunterricht erledigt, Vokabeln geübt und Inhalte vorbereitet werden. Durch den Einsatz von pädagogischen Mitarbeitern ist es möglich, während dieser Zeit in sehr kleinen Gruppen (10-12 Schüler) zu arbeiten. Hier sind wir froh, mit Frau Perscheid und Frau Jung-Hohl zwei engagierte Schülermütter gewonnen zu haben. Zusätzlich stehen uns auch zwei Stellen im "Freiwilligen Sozialen Jahr" zur Verfügung, die wir für das kommende Schuljahr aus eigenen Schülerkreisen besetzen können.
Nach der SAZ findet am Nachmittag meist noch eine Stunde "Kreativzeit" mit verschiedenen AG-Angeboten (Basketball, Lego Mindstorms, Streicher/Bläser,...) statt. Auch hier war es möglich, durch das vorbildliche Engagement von vier Schülern aus den 10. Klassen (Sabrina Storz, Julia Weinand, Mark Vollmer, Michael Böhme), die sich vom Landessportbund zu "Schülerassistenten" ausbilden ließen, das Angebot um "offene Spiele" zu erweitern. Unser Hausmeister, Herrn Büttner, unterstützt uns mit sportlichen Angeboten (Fussball, Volleyball). Neben der Kreativzeit findet auch noch Förderunterricht, "Informationstechnische Grundbildung" (ein Computergrundkurs) und eine Stunde "Lernzeit" für die drei Hauptfächer statt. Diese Lernzeit wird von den Hauptfachlehrern gestaltet und dient zum Üben und Nachfragen, insbesondere im Hinblick auf die Vorbereitung der Klassenarbeiten.
Wenn dann der Unterricht um 16:15 schließt, gehen natürlich alle gerne nach Hause. Aber: Es ist eine fröhliche Schülerschar, die sich da auf den Weg macht - von Kindern, die unter der Ganztagslast leidet, ist da wenig zu sehen und hören. Vielmehr gewinnt man schnell den Eindruck, dass die meisten das Zusammensein, das gemeinsame Lernen und Spielen mit den Altersgenossen sehr genießen.
Dieser subjektive Eindruck wurde sehr eindrucksvoll auch von einer Umfrage bestätigt, die wir um die Jahreswende unter den Schülern der fünften Klassen und ihren Eltern durchgeführt haben. Die Frage "Wie gerne gehst du zur Schule" wurde dabei im Mittel von Halbtags- wie Ganztagsschülern mit "gerne" beantwortet, und das Nachmittagsangebot bekam von den Ganztagsschülern die Note "gut" (Schnitt 2,2). Natürlich wurden im Rahmen dieser Umfrage auch Verbesserungswünsche abgefragt, die in die Planung des zweiten Halbjahres eingingen. Ein weiteres wichtiges und auch schwieriges Thema war das Mittagessen, für das es deutliche Kritik, aber auch Zustimmung gab. Auch hier haben wir uns um Verbesserungen bemüht, in der Übergangszeit bis zum Bau der Mensa bleiben wir jedoch auf das Angebot des "Pos Seniore" angewiesen. Und auch danach bleibt das Problem jeder Schüler- (und Studenten-) Verpflegung: Es schmeckt halt nicht wie daheim bei Mutti (das ist ja auch gut so), und auch nicht wie beim Fastfoodladen nebenan (auch das ist gut so).
Für alle, die an der Umsetzung des Konzeptes, vor allem in der praktischen Ganztagsschularbeit im ersten Jahr beteiligt waren, war dies eine spannende und ereignisreiche Zeit - vieles ist dabei trotz bescheidener Rahmenbedingungen gelungen, aber natürlich ist auch das ein oder andere misslungen. An mehreren Stellen war es nötig und zum Glück auch möglich, Korrekturen an der ursrpünglichen Planung vorzunehmen, insbesondere wurden im zweiten Halbjahr die in der Umfrage geäußerten Wünsche und Vorschläge der Schülern und ihrer Eltern nach Möglichkeit umgesetzt. Eine große Hilfe war dabei auch die Offenheit und Geduld vieler Eltern, vor allem auch ihre Bereitschaft zur Mitarbeit (z.B. im Rahmen einer G8-AG).
Neben der konkreten Arbeit an G8GTS in den Klassen 5 wurde im Laufe des Schuljahres auch am allgemeinen Konzept weiter gearbeitet. Hier stand vor allem die Frage nach der Bauplanung für Raumerweiterung und Mensa im Mittelpunkt, die der Rhein-Lahn-Kreis als Träger mit großem Nachdruck vorangetrieben und in mehreren Veranstaltungen mit den Schulleitungen, den Elternvertretern und den Anwohnern diskutiert hat. Mit dem Ausbau des vorhandenen Schulgebäudes (Aufstockung und Renovierung der naturwissenschaftlichen Fachräume), die hoffentlich im Laufe des Schuljahres 2011/12 abgeschlossen sein könnte, wird uns und der Realschule jeweils eine großzügige Anzahl von Klassen- und Differenzierungsräumen zur Verfügung stehen, um auch räumliche Gestaltungsmöglichkeiten nutzen zu können. Zuvor sollte, so die aktuelle Terminplanung des Kreises, zum Schuljahresbeginn die neue Mensa fertig gestellt werden, die zwischen den beiden Sporthallen entstehen wird und für ca. 650 "Mittag-Esser" ausgelegt ist. Gleich zu Beginn der Sommerferien sollen hier erste Bauarbeiten beginnen.
Zuletzt ein Ausblick auf das kommende Schuljahr: G8GTS gilt dann für beide Jahrgänge der Orientierungsstufe, in der die Ganztagsschule Angebot und keine Pflicht ist. Mit 38 Teilnehmern ist der Anteil der Ganztagsschüler in der kommenden Klasse 6 recht stabil geblieben, im Wesentlichen wird hier auch die Organisationsform gleich bleiben. Von den 69 Schülern in den neuen Klassen 5 haben sich 44 für das Ganztagsangebot entschieden. Das macht es möglich, zwei reine Ganztags- und eine Halbtagsklasse zu bilden. In den Ganztagsklassen werden die Kreativ- Lern- und Übungszeiten über den ganzen Tag verteilt, so dass eine Rhythmisierung von Be- und Entlastung, von Lernen und Spielen den Tag Schultag der Kinder prägen wird. So stellt sich die Pädagogik gute Ganztagsschulen vor, und in dieser Form haben auch andere Ganztagsschulen die besten Erfahrungen gemacht. Wir sind also auf gutem Weg.