09.11.2017 – Abgeordnetenbesuchstag an Schulen – Zu Gast am MDG war der stellvertretende Fraktionsleiter der AfD im rheinland-pfälzischen Landtag, Joachim Paul

„Ich bin stolz, Deutscher zu sein“.

Das Treffen am 9.11.2017 mit dem Abgeordneten und stellvertretenden Fraktionsleiter der AfD im rheinland-pfälzischen Landtag, Joachim Paul, lässt sich vor allem als eins bezeichnen: Eine Suche nach der Kontroverse.

Denn anfangs ließ sich die berüchtigte Extremität und Direktheit, die sonst so vielen Spitzenpolitikern der genannten Partei innewohnt, weit und breit nicht finden. Im Gegenteil: Die Diskussion lief geregelt, die Antworten waren rational begründet und auch die provozierenden Fragen einiger Schüler brachten ihn nicht im Geringsten aus der Fassung – unter ihnen schien sich fast ein Gefühl der Enttäuschung breit zu machen.

Die meisten Forderungen des Abgeordneten der Alternative für Deutschland waren gar nicht so alternativ: Mehr direkte Demokratie („Deutschland soll schweizerischer werden“), ein geregelteres Asylverfahren, Eingrenzung der Waffenexporte und Hilfe in Entwicklungsnationen zur Vorbeugung von Flüchtlingsströmen sind alles Themen, die in vielen anderen Parteien Ansprache finden. Doch nach wiederholter Konfrontation mit Zitaten von Parteigenossen verfing sich Paul in einigen schwer zu rechtfertigen Aussagen: man müsse im Wahlkampf zuspitzen, einige Aussagen dürfte man nicht so „ernst“ nehmen da sie ja von Demonstrationen stammen. Da stellt sich die Frage: Ist das nicht der von der AfD kritisierte Wählerbetrug?

Großem Interesse bei Schülern und Lehrern erfreuten sich auch die Themen Migration und Genderforschung, besonders die Integration von Geflüchteten im Schulalltag entfachte eine lebhafte Diskussion: Nach Paul würden Deutsche in ihrer Bildung durch ausländische Kinder behindert werden, und die Aussage von Herr Dr. Tobias Kies, dass er so eine Behinderung an unserer Schule nicht erkenne, tat er schnell ab. Man dürfe nicht nur Positivbeispiele zur Argumentation betrachten. Die eigene Argumentation baute er aber lediglich auf ein Negativbeispiel aus Frankfurt auf und stieß auf sichtliches Unverständnis in den Reihen der Schüler und Lehrer. Noch simpler und unbegründeter war die Argumentation zur Genderforschung, die erst gegen Ende Ansprache fand: Es sei in seinen Augen keine Wissenschaft. Doch trotz der Differenzen blieb das Gespräch über die meiste Zeit sehr sachlich, und Joachim Paul antwortete offen auf alle ihm gestellten Fragen, und der absolute Großteil der Schüler schien hoch interessiert und vorbereitet, sich mit Trägern anderer politischer Position sachlich auseinander zu setzen. (Yannik Obel)